Jane Austen- Todestag 18.07.1817

Jane Austens Werke sind auch noch heute, 199 Jahre nach ihrem Tod, sehr beliebt. Es gibt nicht nur vielfache werksgetreue Verfilmungen ihrer Romane, sondern auch filmische und schriftstellerische Adaptionen, die in der Gegenwart spielen, es gibt Flirtratgeber, die auf Austens Romanen aufbauen und inzwischen werden sogar Tanzveranstaltungen abgehalten, in denen man sich in das England zu Austen Lebenszeiten zurückversetzen kann. Doch wie kommt es, dass Romane, die vor 200 Jahren veröffentlicht worden sind, noch so ein breites Interesse (und das nicht nur unter Buchliebhabern) hervorrufen?

Ein kleiner Erklärungsversuch.

Die Heldinnen in Jane Austens Büchern sind erstaunlich modern. Zu einer Zeit, in der die Ehe eine finanzielle und gesellschaftliche Absicherung für Frauen ist, entscheiden sie sich, einen Mann zu heiraten, den sie lieben (z.B. Elisabeth Bennet in „Stolz und Vorurteil“) oder haben erst gar nicht vor, überhaupt zu heiraten (z.B. Emma Woodhouse in „Emma“). Doch sie werden in ihren Entscheidungen nicht ausschließlich von ihren Gefühlen gelenkt, sondern verlassen sich auf ihren Verstand, das Überhandnehmen der Gefühle zieht oftmals Konsequenzen nach sich (z.B. Marianne Dashwood in „Verstand und Gefühl“, die fast an einem gebrochenen Herzen stirbt). Es wird auch immer dargestellt, dass die Entscheidungen der Hauptcharaktere zu einer glücklichen Ehe führen, während die weiblichen Charaktere, die sich von ihrer Leidenschaft gesteuert oder dem Wunsch nach finanzieller Absicherung in eine Ehe begeben, ein sehr viel weniger zufriedenes Leben führen (z.B. Lydia Bennet und Charlotte Lucas in „Stolz und Vorurteil“).

Ein weiterer Grund für die anhaltende Beliebtheit von Austens Werken ist die heile, sichere Welt, in denen die Romane spielen. Krankheit taucht auf, wenn sie der Anbahnung einer Ehe dient (vgl. Jane Bennet in „Stolz und Vorurteil), sie verläuft jedoch niemals tödlich. Selbst die Charaktere in den Büchern, die aufgrund ihrer finanziellen Situation Unterstützung benötigen, können sich noch ein Hausmädchen leisten (z.B. Miss Bates in „Emma“). Dabei muss man bedenken, dass die Romane zu einer Zeit geschrieben wurden, in der eine Lungenentzündung tödlich verlief und die Armut unter der einfachen Bevölkerung sehr groß war. Diese Umstände lässt Austen aber zumeist außen vor, sie konzentriert sich auf die Probleme der etwas gehobeneren Gesellschaft.¹

Natürlich darf man auch nicht den Humor, der sich durch Jane Austens Romane zieht, außer Acht lassen. Zum Beispiel Mrs Bennet, die ihre Töchter durch ihre verzweifelten Versuche, diese möglichst gut zu vermählen, bloßstellt (und der Leser sich dabei oftmals selbst peinlich berührt fühlt) oder Mr Woodhouse, der immer um seine Gesundheit besorgte Vater von Emma- Jane Austen beschreibt ihre Figuren und die gesellschaftlichen Umstände mit spitzer Feder und einem guten Auge für die jeweilige Situation. Der Humor in den Romanen ist zeitlos und findet deshalb auch heute noch großen Anklang.

Dies alles könnte erklären, warum die Romane auch heute noch großen Anklang von der breiten Masse finden. Natürlich beinhalten Jane Austen Werke noch viel mehr, sie beschreiben die Klassengesellschaft Englands im späten 18. / frühen 19. Jahrhundert auf unnachahmliche Art und Weise, aber darauf werde ich nächstes Jahr, wenn sich ihr Todestag zum 200. Mal jährt, eingehen. Bis dahin: Keep calm and read Jane Austen!

 

¹ vgl. Grawe, Christian. „Darling Jane“ Jane Austen- Eine Biographie. Reclam, 2010. S.    68ff.

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