Thees Uhlmann – Sophia, der Tod und Ich

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Thees Uhlmann, Jahrgang 1974, ist mit der Band Tomte bekannt geworden und legt mit „Sophia, der Tod und Ich“ seinen ersten Roman vor.

Der Tod klingelt an der Tür des namenlosen Ich-Erzählers. Dies ist allerdings nicht metaphorisch, sondern wortwörtlich gemeint. Der Tod, der dem Erzähler etwas ähnlich sieht, steht vor der Tür und will ihn mitnehmen. Allerdings klingelt es abermals in dem Moment, als der Erzähler dabei ist, zu sterben, dies ist laut Aussage des Todes noch nie zuvor passiert. Vor der Tür steht Sophia, die Exfreundin des Erzählers, da sie sich verabredet haben, gemeinsam zu dessen Mutter zu fahren. So erhält der lethargische Erzähler eine unverhoffte Galgenfrist und der Tod die Möglichkeit, das Leben kennenzulernen. Auch die resolute Sophia ist mit von der Partie, da der Tod meint, dass ihr Leben gefährdet sei, wenn sie sich mehr als ein paar hundert Meter voneinander entfernen. Es gibt allerdings ein Problem: Der Tod vermutet, dass er auf der Welt bleiben kann, weil ein anderer Tod ihn ablösen will und es so unabwendbar zu einer Schlacht zwischen den beiden Toden kommen wird. Dabei wird auch der Sohn aus einer früheren Beziehung des Erzählers in Gefahr geraten. Da der Junge keinen Kontakt zu seinem Vater hat, machen sich Sophia, der Tod, der Erzähler und dessen Mutter auf den Weg „in den Süden“, um den Jungen zu retten und Vater und Sohn eine Möglichkeit zu geben, sich zu verabschieden.

Der Roman ist in einer einfachen, humorvollen Sprache geschrieben, der mich durch die Dialoge und die Art des Humors ein wenig an die „Känguru Chroniken“ von Marc-Uwe Kling erinnert, mich allerdings bei weitem nicht so oft zum Lachen gebracht hat. Das hat mich aber nicht wirklich gestört, da ich die Charaktere interessant fand.

Der Ich-Erzähler, ein Altenpfleger, der einfach so vor sich hinlebt, ohne Ehrgeiz oder Hobbys. Die einzigen beiden Dinge, die ihm wichtig sind, sind Fußball und das tägliche Schreiben einer Postkarte an seinen Sohn aus einer früheren Beziehung, zu dem er ansonsten keinen Kontakt haben kann. Er lebt eigentlich einfach nur vor sich hin, ist ein unauffälliger Mensch, der meistens versucht, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er liebt Fußball, hat aber nie aktiv gespielt. Er liebt Sophia, hat aber nie versucht, sie zurückzugewinnen. Er hätte gern Kontakt zu seinem Sohn, bemüht sich aber auch nicht darum, die Situation zu ändern. Seinen bevorstehenden Tod akzeptiert er allerdings nicht sofort, doch kann er dagegen nichts unternehmen und nimmt es irgendwann auch hin.

„Allerdings hat sich in meinem Leben so viel wiederholt, dass ich langsam entspannt bin, wie das wird, mit dem Tod auf Reise zu gehen. Jetzt, wo ich das hier loslassen muss, kommt es mir vor, als ob ich mein ganzes Leben lang nichts richtig festgehalten hätte.“

Die anderen Charakter sind (bis auf den Tod) etwas eindimensional, fügen sich aber gut in das Geschehen ein.

Die Exfreundin Sophia, die Tochter eines polnischen Einwanderers, die den Erzähler durch ihren Vater kennengelernt hat. Ihr Vater, ein Klavierbauer, war Patient des Altersheims, in dem der Erzähler arbeitet. Die Mutter des Erzählers, die gerne Marmelade einkocht, stolz auf ihre hugenottische Herkunft ist und sich um ihren apathischen Sohn sorgt.

Und natürlich der Tod, der das Leben mit einer kindlich-naiven Freude wahrnimmt. Er erfreut sich an so profanen Dingen wie einer automatischen Schiebetür im Zug, dem Fernsehprogramm und dem Geschmack von Kaffee. Allerdings weiß er auch, wie wichtig seine eigentliche Aufgabe ist.

„Ich mache den ganzen Kram hier zu dem, was er ist. Ich bin der Grund, warum ihr morgens aufsteht. Ich bin die Angst, die euch lieben lässt. Ich bin das Ticken in eurem Kopf. Alles, was ihr am Leben liebt, bekommt durch mich erst seine Form. Die Angst, etwas zu verpassen. Was willst du verpassen, wenn du es immer nachholen kannst?“

Der Roman ist, wie oben schon erwähnt, kein sprachliches oder humoristisches Meisterwerk, aber nichtsdestotrotz hat er mich gefesselt und berührt. Was würde man tun, wenn man nur noch eine kurze Zeit zu leben hätte? Wenn man alles zum letzten Mal erlebt? Das Buch nähert sich diesen Fragen zwar auf unorthodoxe Weise, ist aber vielleicht gerade deshalb interessant und empfehlenswert.

 

Thees Uhlmann

Sophia, der Tod und Ich

Kiepenheuer & Witsch, 2015

ISBN: 978-3-462-04793-6

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